Theorie der Sprache

Nicht zuletzt die kulturtheoretisch orientierte Sprachentwicklungsforschung hat in den letzten Jahren maßgeblich zu einem überzeugenderen Verständnis der Sprachfähigkeit, ihrer evolutionären, historischen, sozialen und personalen Genese beigetragen. Die kulturelle Entwicklung  des Denkens, so die entscheidende Feststellung, sei ohne die Sprache als intersubjektives Medium des Denkens und  der Verständigun gar nicht sinnvoll zu denken….

… und das insofern, würden Sprachphilosophen betonen, als wir aus guten Gründen von einer anderen Theorie der Sprache auszugehen haben. Die Sprache ist eben kein Instrument der Repräsentation, sondern ein Medium der Artikulation unserer intentionalen Zustände. Die Sprache spiegelt keine inneren, sozialen oder äußeren Zustände wider, sie artikuliert ihren begrifflichen Gehalt. Eine Sprache zu kennen heiße, an einer symbolischen Praxis teilhaben zu können; an einer intersubjektiven Praxis des Ausdrucks unseres Verständnisses der Welt der anderen, der Welt der Dinge und der eigenen Innenwelt. Wer nach und nach sprachfähig wird, dem erschließt sich nach und nach die Mitwelt, die Umwelt, die Innenwelt. Er lernt zuächst elementare, dann zunehmend komplexere Schemata sprachlichen Ausdrucks kennen – und eignet sich genau so ein begriffliches Wissen über die soziale, die objektive und die subjektive Welt an. Sprachfähig werden wir durch die Teilhabe an einem Prozess kultureller Vererbung.

Kulturell vererbt ist auch das Sprachverständnis, die Art und Weise, wie wir über die Sprache sprechen und denken. Mit der Fähigkeit zur sprachlichen Kommunikation erwerben Kinder auch die Fähigkeit zu Sprachreflexion; wer sich sprachlich zu verständigen lernt, lernt auch, sich über das Wie der sprachlichen Verständigung zu verständigen. Das eben so, wie es ich die Sprachkultur lehrt, in der er heranwächst. Wer eine Sprache sprechen kann, der kann eben auch über sie sprechen. Nur wie? Unsere Beschreibungen und Erklärungen sprachlicher Äußerungen und Fähigkeiten sind nicht selten naiv-alltagstheoretischer Art; da hat der Psycholinguismus eines Assoziierens, In-sich-hinein-hörens, Spiegelns Konjunktur, der ziemlich weit an dem vorbeigeht, was schon die Verstehenstheoretiker unter den Sprachwissenschaftlern für die eigentliche Kunst der Sprachanalyse hielten: die Kunst, die Frage zu entdecken, auf die die Äußerung die Antwort ist .

Dieser Kunst bei der Analyse und Diagnose der sprachlichen Kommunikation mit Kindern zu entsprechen, führt zu wesentlichen praktischen, methodischen und theoretischen Erkenntnissen: der Prozess der Kommunikation, seine Beschreibung unnd deren Sprache erscheinen in einem anderen Licht. Die Redenden interpretieren einander; Dritte analysieren das; Theoretiker rekonstruieren es. Auch, gerade auch dann, wenn es um Sprachdiagnostik geht.

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