Grammatische Analyse

Keine Sprachanalyse kommt ohne grammatische Expertise aus. Wer den Gehalt, die Form und die Intention von Äußerungen wie So Mülltiere verständlich zu machen versucht, der muss ja mit der Struktur der sprachlichen Äußerung beschäftigen.  Er muss imstande sein, das komplexe Gefüge der  Aussagen, Annahmen, Gedanken und Überzeugungen ausdrücklich darzustellen, das die konkrete Äußerung für ihn exemplfiziert. Eben das geht aber nur, wenn er sich die Form des sprachlichen Ausdrucks hält.

Wie geht der Sprachanalytiker dabei vor? Er tut ziemlich genau das, was wir alle tun, wenn wir andere oder und selbst besser verstanden wissen wollen: er artikuliert ausdrücklich, was vorher selbstverständlich zu sein schien. Das allerdings strikt distributionsanalytisch. Er operiert mit Substitutionen des Ausdrucks, um die logische Struktur der Äußerung transparent zu machen; mit Ersetzungen, Ergänzungen, Auslassungen, Erweiterungen des zur Diskussion stehenden Ausdrucks, die ihm ähnlich viel Sinn machen. Was zum Beispiel hat das Kind mit seiner Äußerung So Mülltiere zu verstehen gegeben? Passt eher der Ausdruck  So ne Art Mülltiere? Oder eher der Ausdruck Sozusagen Mülltiere? Was unterscheidet beide dem Gehalt, der Form und dem Sinn nach? (Und wie unterscheiden wir, wenn wir diese Frage für relevant halten, zwischen der Intention, dem Gehalt und der Form sprachlichen Ausdrucks?)

Wilde Interpreation ist das nicht, rechthaberische Assoziation auch nicht. Bestimmte Explikationen gehen, andere nicht. Sie sind dann angemessen, wenn sie überzeugend zum Ausdruck bringen, wie sich der Sprecher aus der Sicht des Beobachters  an den wörtlichen Wortlaut seiner Äußerung gehalten würde, um sich deutlicher zu artkuliereen. Der Beaochter also als der grammatisch versierte Sprachanalytiker mit der Autorität des rationalen Interpreten? Keineswegs. Seine methodische Kompetenz, seine grammatische Expertise, sein theoretischcs Know How und – seine Sprachkompetenz und Spracherfahrung spielt analytisch zwar eine entscheidende Rolle. Seine Explikationen setzen voraus,  dass er und der Sprecher in einer gemeinsamen soziokulturellen Welt leben und eine gemeisame Sprache sprechen. Das Eigenartige: nur, wenn wir das zunächst voraussetzen, können wir zu der Erkenntnis gelangen, dass es  dann und wann genau nicht der Fall ist.

Was macht dann bei alledem grammatische Kompetenz aus? Die Beherrschung grammatischer Operationen ist die Basis für weittere, für höhere grammatische Kompetenzen. Der Vergleich der möglichen Ausdrucksformen führt zur Entdeckung von Strukturähnlichkeiten, und die wiederum zur Unterscheidung und Kennzeichnung der Einheiten der Sprache. Ein grammatisch kompetentes Kind kann gegen Ende seiner Grundschulzeit zeigen, wie es bei der Sprachanalyse mit seinem grammatischen Können und Wissen arbeitet: es kann grammatische Operationen durchspielen, kann grammatische Strukturen identifizieren, kann elementare und komplexe Formen des sprachlichen Ausdrucks bestimmen, kann die Einheiten der Sprache systematisch unterscheiden; es beherrscht das begrifflliche Vokabular der Grammatiker. Es hat mehr und mehr Teil an der kulturellen Praxis einer Sprachkritik, die nicht das intuitive Psychologisieren sondern das analytische  Argumentieren schätzt.

Grammatische Kompetenz ist so gesehen kein intuitives Knowing How sondern ein reflexives Knowing That. Beides zu verwechseln hat zu einem sprachdiagnostisch folgenschweren Missverständnis  geführt: dem nämlich, dass es eine Sprache hinter dem Sprechen gebe; eine Art Mentalesisch, das wir, wenn wir mit anderen sprechen, ins Lnguistisch übersetzen. Es gibt aber nicht diese grammatische Regelkompetenz,  gedacht als fest verdrahtetes Regelsystem in den Köpfen der Sprecher. Die psycholinguistische Vorstellung von der psychischen Natur des impliziten grammatischen Wissens ist eine Fiktion, Was wir grammatisch können und wissen, das verdanken wir nicht einer Sprache des Geistes sondern der Sprache(n) der Kultur(en). Nicht das mentalesich sprechende Bewusstsein sondern die sprachlich denkende Person ist es, die grammatisch kompetent ist. Die grammatischen Operationen, mit denen wir die Beschreibung der Gestalt, der Form, der Struktur sprachlicher Äußerugen zu begründen versuchen, sind Teil einer Kultur des Wissens über die Sprache. (Genau deswegen haben und brauchen wir auch den Grammatikunterricht.)

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s